Wir alle kennen die körperliche Reaktion auf psychischen Stress. Magenknurren, Herzklopfen, Bauchschmerzen, ständiger Harndrang, schwitzige Hände und ein Kloß im Hals sind nur einige der Symptome, die jeder von uns in einer Stresssituation registrieren kann.
Diese “normalen” Reaktionsweisen treten schon bei Kindern und Jugendlichen auf. Reaktives Verhalten ist normal, solange diese nur gelegentlich auftreten und nicht gestresst sind. Aber es hilft uns zu verstehen, wie mentale Prozesse den Körper beeinflussen. Dies geschieht meist unbewusst und wird selten beeinflusst.
Die Psychosomatische Medizin befasst sich als Teilgebiet der Medizin mit den psychologischen, biologischen und sozialen Bedingungen von Krankheiten. Körperliche Störungen werden durch seelische Zustände, Beschwerden, Stress bis hin zu schweren psychischen Erkrankungen verursacht. Aber der Seele-zu-Körper-Weg wirkt auch in eine andere Richtung. Körperliche Erkrankungen können die Psyche eines Menschen beeinträchtigen und einschränken. Dies kann zu akuten, insbesondere chronischen Erkrankungen und psychischen Belastungen führen, die das Verhalten nachhaltig verändern und das Selbst- und Fremdbild beeinflussen können.
Die genaue Entstehung und Aufrechterhaltung psychosomatischer Erkrankungen sind hochkomplex und nicht abschließend geklärt. In diesem Zusammenhang wird das „biopsychosoziale“ Entwicklungsmodell beschrieben. Das bedeutet, dass bestimmte biologische Ursachen zu einer erhöhten Anfälligkeit und Anfälligkeit für psychiatrische und psychosomatische Störungen führen können. Solche Probleme gibt es in jedem Bereich. An der Entstehung psychosomatischer Erkrankungen sind viele, zum Teil sehr unterschiedliche, individuelle Einflüsse beteiligt
Beispiele für häufigere “Auslöser” psychosomatischer Beschwerden im Kindes- und Jugendalter sind:
• Partnerschaftskonflikte bzw. Trennung der Eltern
• Lange Trennungen von der Hauptbezugsperson in der frühen Kindheit
• Probleme in Kindergarten/Schule
• Konflikte zwischen Eltern und Kind
• Psychische/psychiatrische Störungen der Mutter/ des Vaters
• Schwere körperliche Erkrankungen eines Elternteils
• Chronisch kranke Geschwister
Psychosomatische Symptome bei Kindern und Jugendlichen sind häufig. Von der Grundschule bis zum 18. Lebensjahr hatten 5,2 % der getesteten Kinder und Jugendlichen irgendwann einmal eine psychosomatische Störung.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, weder körperlich noch geistig. Ihre geistigen, sozialen und emotionalen Fähigkeiten entwickeln sich teilweise sehr schnell – ein besonderes Problem für Kinder und Jugendliche, deren altersgerechte Entwicklung durch geistige oder körperliche Behinderungen beeinträchtigt ist. Nehmen wir zum Beispiel die Schulangst eines Kindes, die sich morgens in Bauchschmerzen äußern kann. Dies kann dazu führen, dass Kinder den Kontakt zur Klassengemeinschaft und zu den Lernmaterialien verlieren, was schwerwiegendere Folgen haben kann.
Organische Ursachen für Beschwerden bei Kindern oder Jugendlichen müssen zunächst durch einen Kinderarzt ausgeschlossen werden. Wenn psychogene Symptome die gesunde Entwicklung beeinträchtigen, ist eine Vorstellung bei einem Kinder- und Jugendpsychiater ratsam. Eine Zusammenarbeit mit einem Kinderarzt ist erforderlich, um entsprechende Behandlungskonzepte zu entwickeln.